Wolfgangs Linedance

Choreographie

Choreographien für Linedance werden auch »Step Sheets« oder »Schrittbeschreibungen« genannt. Im Internet findet man Sammlungen von Choreographien (häufig unter »Tanzarchiv«).
Bekannte Sammlungen sind Copperknob, das Tanzarchiv der Bald Eagle Linedancer und viele andere. In der Regel haben die meisten Linedancegruppen ein Verzeichnis der gelernten Tänze auf ihren Webseiten.

Struktur einer Choreographie

Am Anfang stehen Tanztitel, wieviel Counts in einem Durchgang, Anzahl Walls, Choreograph und Musiktitel. Danach folgen Beschreibungen der Tanzschritte.
Beispiel:
Shuffle forward (on diagonal r + l, step, pivot 1/2 2x
1&2   RF Schritt diagonal rechts vor, LF neben RF setzen, RF Schritt diagonal rechts vor  
3&4   LF Schritt diagonal links vor, RF neben LF setzen, LF Schritt diagonal links vor 
5     Schritt nach vorn mit rechts 
6     1/2 Drehung links herum auf beiden Ballen,
      Gewicht am Ende links (6 Uhr) 
7-8   wie 5-6 (12 Uhr) 
Counts zählen nicht die Schritte, sondern die Grundtakte der Musik!
Typisch ist ein Unterteilung in Sequenzen zu je 8 Counts (also 8 Grundtakte der Musik). Das Beispiel zeigt eine Sequenz. Die Sequenz hat in der ersten Zeile fett gedruckt eine Zusammenfassung der zu tanzenden Schritte. Dann folgen die Counts mit einer ausführlicheren Schrittbeschreibung.

Die Schrittnamen

Es gibt verbreitete und bekannte Namen für Tanzschritte, in der Praxis jedoch findet man gelegentlich abweichende; und manchmal werden neue Schrittbezeichnungen erfunden.

Zeitangaben

Nach Drehungen findet man in Choreographien manchmal Uhrzeit-Angaben, die ja eigentlich Richtungsangaben sind. Im obigen Beispiel ist nach einer halben Drehung 6 Uhr angegeben, nach der Wiederholung der Drehung 12 Uhr.
Nun kann es gar nicht sein, dass z.B. bei einem 4-Wall-Tanz bei jedem Durchgang an derselben Stelle dieselbe Richtung eingenommen wird. Daher gelten die Uhrzeitangaben immer nur für den Fall, dass der Durchgang bei 12 Uhr begonnen hat.

Vom Grundtakt abweichende Count- und Schrittzahlen

Im einfachsten Fall nimmt man, dass bei jedem Takt (also Count) genau ein bestimmter Tanzschritt ausgeführt wird. Das trifft für viele Tänze auch zu. In der Choreographie könnte das so aussehen:
Beispiel:
Rock Side R, Stomp R, Stomp R, Rock Side L, Step L, Stomp R
1,2  RF Rockstep zur Seite, Gewicht zurück auf LF
3,4  RF Stomp Up, RF Stomp
5,6  LF Rockstep zur Seite, Gewicht zurück auf LF
7,8  LF Schritt nach vorn, RF Stomp Up
Natürlich kann es bei Tänzen dieser Struktur auch schnelle und langsame Tänze geben. Sicher, es gibt schnelle und langsame Musikstücke. Es kann aber auch vorkommen, dass der Choreograph vermerkt, dass sein Tanz z.B. für 90 BpM (Beats per minute; Grundtakte pro Minute) choreographiert sei. Dann könnte es sein, dass der musikalische Grundtakt des betreffenden Musikstücks bei 180 BpM liegt. Das bedeutet, dass wir nur halb so schnell tanzen als es die Musik vorgibt. Oder die Musik ist mit 45 BpM sehr langsam, und der Choreograph meint, wir sollten seinen Tanz doppelt so schnell tanzen, als es die Musik vorgibt.

Zwischenschritte

m Beispiel ganz oben gibt es die Notierung 1&2. Diese Angabe meint zwei Takte, nämlich 1 und 2. Das &-Zeichen dazwischen kennzeichnet die Stelle zwischen beiden Takten.
So einen »Zwischentakt« gibt man an, wenn nicht nur auf dem Grundtakt, sondern auch zwischen zwei Takten ein Schritt getanzt werden soll. Demzufolge sind rechts drei Schritte angegeben, der erste auf 1, der zweite auf & und der dritte auf 2.
Das bedeutet, dass der Tanz sich zwar am Grundtakt orientiert, bestimmte Passagen aber mit doppelter Geschwindigkeit getanzt werden. Das folgende Beispiel zeigt eine Seqenz, die durchgängig mit doppelter Geschwindigkeit getanzt wird. Wir haben 8 Counts, aber 16 Schritte.
Beispiel:
SYNCOPATE FORWARD, BACK, FORWARD, FORWARD, HEEL JACK, HEEL JACK
&1&2  Small step right forward, step left together, small step right back, step left together
&3&4  Small step right forward, step left together, small step right forward, step left together
&5&6  Step right slightly back, touch left heel forward, step left together, step right in place
&7&8  Step left slightly back, touch right heel forward, step right together, step left in place
Vielleicht erscheint das & vor der 1 rätselhaft, gemeint ist ein Zwischenschritt zwischen dem Takt 8 der vorhergehenden Sequenz und dem Takt 1 dieser Sequenz.

a-Schritte - das Ende der Fahnenstange?

In letzter Zeit (Mitte 2018) tauchen häufiger Choreographien auf, die an bestimmten Stellen mit der vierfachen Geschwindigkeit getanzt werden. In dem Fall werden zwischen den Grunktakt(Zahl) und einem Zwischenschritt(&) ein "Zwischen-Zwischenschritt" eingefügt, und zwar mit dem Kleinbuchstaben a. Das folgende Schema verdeutlicht das Prinzip.
1 2 3   Grundtakt
1 & 2 & 3   doppelt so schnell mit Zwischen-Schritten
1 a & a 2 a & a 3   viermal so schnell mit Zwischen- und a-Schritten
Eine Notierung mit wirklich allen a- und Zwischenschritten wie in der letzten Zeile des Schemas wird kaum vorkommen. Ein reales Beispiel sieht so aus:
1     LF step fwd & sweep RF fwd
2&a3  RF cross over LF, 1/4 turn R & LF step back, RF step side, LF cross over RF & sweep RF fwd
4a5   RF cross over LF, LF step side, RF cross behind LF & sweep LF back
...
Die Notierung in der 2.Zeile ist eindeutig. Die Notierung in der 3.Zeile (4a5) dagegen nicht. Es kann der a-Schritt gleich nach dem Count 4 gemeint sein oder der direkt vor Count 5.
In solchen Fällen hilft es weiter, ein Video zum Tanz anzuschauen, am besten eins, wo der Choreograph selbst tanzt. Dann kann man sehen, wie an der betreffenden Stelle getanzt werden soll.

Wofür ein Step Sheet gedacht ist

Die Beschreibung eines Tanzes mittels einer Choreographie und weiteren Angaben zum Tanz (Tanzname, Choreograph, Musiktitel, SChwierigkeitsgrad u.a.) nennt man Step Sheet (im Deutschen auch Stepsheet).
In der Regel geht man davon aus, dass ein Tanz in einem Kurs oder einem Workshop gelernt wird.
Daher ist ein Stepsheet in erster Linie eine Hilfe zum Erinnern, wenn man den betreffenden Tanz schon mal gelernt oder wenigstens gesehen hat.

Tänze weitergeben

Es liegt absolut im Sinne des Linedance, das eigene Können an andere Interessenten weiterzugeben.
Gern teilt man anderen Linedancern mit: "Probiere mal diesen Tanz, der ist prima." Nun sucht der Interessent im Internet nach einem Stepsheet für den genannten Tanz und wird in der Regel schnell fündig.
Leider kommt es bei neueren Tänzen immer häufiger vor, dass es zum selben Namen unterschiedliche Choreographien gibt. Also immer auch den Choreographen mit angeben, das ist dann ausreichend eindeutig.
Möchte man einen Tanz als Trainer vermitteln, kommt man mit dem Stepsheet allein selten aus. Entweder hat man den Tanz schon gelernt oder findet ein oder mehrere Videos im Internet, die den Tanz demonstrieren oder vermitteln.
Mancher Coach bringt außerdem eigene Schrittvariationen ein bis hin zum Ersetzen von bestimmten Schritten durch leichter tanzbare. Sagen wir besser so: Tanzlehrer haben mitunter ihre eigene Schule. Sehr hilfreich ist es, wenn man Videos findet, in denen der Choreograph selbst tanzt.

Styling und Motions

Außer den Schritten sollte man noch Stylings und Motions beachten. Findet man definierte Hand- und Körperbewegungen für bestimmte Schrittpassagen, so gilt das als Styling. Beispiele:
  • Tippen an den Hut, winken, ...
  • Bei bestimmten Schritten Füße schräg setzen oder gerade halten, ...
Alles in allem sollte man Styling sparsam einsetzen, und es muss zur Musik passen. Unpassendes Styling wirkt albern, dann lieber weglassen.
Motions sind Bewegungen, die den Stil des Tanzes an die Charakteristik der Musik anpassen. Tanzen (auch Linedance) ist eine Art des Ausdrucks von Gefühlen, die man nicht nur mit Schritten sondern auch mit Bewegungen (eben den Motions) ausdrücken kann.
Beispiele: Rise & Fall, Lilt, Smooth, Cuban